Brief an Bischof Dröge

Daraufhin hatten wir die Synodalen zur Frühjahrssynode 2016 in einem Schreiben vom 24. März 2016 aufgefordert, vor der Bewilligung eines Darlehens von der Stiftung Garnisonkir-che ein Konzept zu verlangen, „das den inhaltlichen Kriterien entspricht, die Bischof Dröge formuliert hat“. Die Landessynode folgte diesem Vorschlag zwar nicht, beschloss aber, „dass die Planungen für den Turmbau im Vergleich zum ursprünglichen Bau der Garnisonkirche … auch die äußere Erkennbarkeit des Turmes als Versöhnungszentrum vorsehen“ sollen. Dazu beauftragte sie den Ständigen Ausschuss Theologie, Liturgie, Kirchenmusik, „den Dialog mit der Stiftung Garnisonkirche bezüglich der Gestaltung des Turmes zu führen.“

Ungeachtet dieser Vorgaben wurde die Öffentlichkeit seither durch den Projektbetreiber Stiftung Garnisonkirche mit Meldungen konfrontiert, dass sie am Wiederaufbau der gesamten Kirche festzuhalten gedenke (u.a. Wieland Eschenburg in der PNN 5.12.16, MAZ 12.12.16). Von den Auflagen der Synode ist keine Rede. Man sieht offenbar keine Veranlassung, von der ursprünglichen Bauplanung abzuweichen, um den Turm als Versöhnungszentrum erkennbar zu machen. Dazu fand nach unserer Kenntnis im abgelaufenen Jahr auch kein „Dialog“ der Stiftung Garnisonkirche mit dem Ständigen Ausschuss Theologie, Liturgie, Kirchenmusik über die Gestaltung des Turmes statt.

Angesichts dessen sorgen wir uns um das Ansehen der Kirche in der Öffentlichkeit. Wenn einerseits für die Erlangung kirchlicher Kredite vom Turm oder Turmstumpf gesprochen wird und andererseits unvermindert am Ziel des Wiederaufbaus der gesamten Kirche festzuhalten versprochen wird, sehen wir das als Täuschung der Öffentlichkeit an.

Vielmehr zeigt sich darin eine Strategie der Kommunikation der Stiftung, die sich einem bestimmten Unterstützer-umfeld weiter andient, das ungeachtet der Intention der Synode weiter die Wiederherstellung der historischen Garnisonkirche fordert. Um Spenden für den Finanzierungsanteil der Stiftung einzuwerben, wurden immer wieder Erfolgsmeldungen lanciert, die der Öffentlichkeit - noch bevor der entsprechende Antrag der Stiftung beim Bund vorliegt und ein Zuwendungsbescheid ergangen sein kann - vortäuschen, die Zuwendung aus dem Bundeshaushalt sei beschlossene Sache.

Unsere prinzipielle Kritik an diesem Projekt gilt von Anfang an der unzulänglichen Auseinandersetzung mit dem historischen Erbe, die für eine Zweckbestimmung als Friedens- und Versöhnungszentrum unerlässlich wäre. Die Ziele „Geschichte erinnern – Verantwortung lernen – Versöhnung leben“ sind angesichts dessen, womit wir es zu tun haben, völlig unbestimmt.

Warum soll ausgerechnet an diesem Ort eine Kirche der Versöhnung und des Friedens errichtet werden, wo doch jede Kirche diese Aufgabe hat?

Es bleibt unklar, was der Begriff der Versöhnung hier soll. Geht es um Versöhnung der Kirche mit dem Militärischen – passend zur Ansage, dass Deutschland mehr Verantwortung in der Welt übernehmen müsse? Was soll die Rede von „nationaler Bedeutung“ und von einer Symbolkirche, die Theodor Fontane treffend das „Symbol des Militärstaats Preußen“ nannte? Soll die Einheit von Thron und Al-tar, Schwert und Kreuz wiedererweckt werden, die unserem christlichen Bekenntnis fremd ist? Denn hier wurde Offizieren und Soldaten ein militärischer Treueeid auf Kaiser und Füh-rer abverlangt, als es eines christlichen Bekenntnisses bedurft hätte, um sich zu widersetzen. Des „Tages von Potsdam“ hätte es gar nicht bedurft, um sich des gotteslästerlichen Charak-ters bewusst zu werden, wofür diese Kirche stand. Die Garnisonkirche war der Symbolort antirepublikanischer, rechtsextremer Kräfte nach dem ersten Weltkrieg, die offen die Demo-kratie bekämpften und der Machtübergabe an Hitler den Weg bereiteten. Dies ist eine Ge-schichte, derer sich heute jene bemächtigen, die für eine „erinnerungspolitischen Wende“ eintreten und eben diese „Fassaden“ anrufen, um die heutige Generation „mit den großarti-gen Leistungen der Altvorderen in Berührung (zu) bringen“ – so Björn Höcke im Januar in seiner Dresdener Rede.

Sehr geehrter Herr Bischof, lieber Bruder Dr. Dröge,
wenn hier kein Symbol der Restauration und schleichender Geschichtsrevision entstehen soll, muss deutlich werden, dass die Zerstörung dieser Kirche keine Schuld der Anderen war, sondern die eigene vorausging und hier nicht die Bitte um Versöhnung, sondern um Vergebung das erste Wort hat. Es geht bei dem Turmbau um ein sichtbares Symbol für das Versagen kirchlichen Handelns und nicht, wie es im Nutzungskonzept in bedenklicher Unbestimmtheit heißt, um „… die Not und Zwiespältigkeit menschlicher Existenz“.

Der Wiederaufbau der Garnisonkirche ist eine Botschaft unserer Kirche im Hinblick auf ihre Geschichte, Gegenwart und Zukunft. Deshalb fordern wir Sie auf, die Umsetzung der von Ihnen aufgestellten Maxime „Ein neuer Geist braucht ein neues Haus“ einzufordern. Das muss konzeptionell, sowohl inhaltlich als auch baulich, sichtbar werden. Erforderlich ist hier die eindeutige Positionierung zum Versagen der Kirche, wofür dieser Ort beispielhaft steht, sowie zu den damit verbundenen Konsequenzen für unsere Zeit.

Die gegenwärtig kontroverse Diskussion in der Presse, in der sich unter anderen Wolfgang Huber zu unserer Initiative äußert, veranlasst uns, Stellung zu nehmen. Wir werden deshalb mit den Inhalten dieses Briefes an die Öffentlichkeit gehen. Sie erhalten diesen Brief vorab.


Mit freundlichen Grüßen


Uta Brux, Dr. Hans Misselwitz
für die Initiative „Christen brauchen keine Garnisonkirche“

 

Hier können Sie den Brief als pdf-Dokument herunterladen.

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